Konfigurator FAQ

Die Antworten auf oft gestellte Fragen

Wozu braucht man einen Konfigurator?

Es gibt Produkte, die aus mehreren Einzelteilen bestehen oder die durch mehrere Merkmale beschrieben werden. Diese Produkte lassen sich oft nicht einfach über eine Bestellnummer verwalten. Manchmal schließen sich auch Kombinationen von Merkmalen aus.
So gibt es z.B. kein Cabrio mit Schiebedach, keinen PC ohne Prozessor und keinen Tisch ohne Beine. Diese Logik wird Produktlogik genannt. Soll der Nutzer diese Produkte aussuchen können wird ein Konfigurator gebraucht. Der Konfigurator fordert den Nutzer auf, die passenden Angaben zu machen und damit sein gewünschtes Produkt zu beschreiben. Diese Beschreibung wird in abstrakter Form abgelegt und kann z.B. zur Bestellung in einem Shop verwendet werden.
Manche Dienstleistungen oder Produkte werden erst nach einer technischen Auslegung angeboten (Roboter, Pumpen usw.). Diese Auslegungslogik gehorcht ebenfalls festen Regeln, die jedoch in Formeln oder Kurven dargestellt werden. Konfiguratoren für diese Produkte müssen während des Konfigurationsvorganges Berechnungen ausführen können.
Im Vertrieb werden oft die Anforderungen des Kunden (Soft Facts) durch das Wissen des Verkäufers in eine konkrete Variante des Produktes (Hard Facts) übersetzt. Diese Übersetzung wird gerne als Vertriebslogik bezeichnet. Konfiguratoren, die diese Darstellung leisten dürfen nicht nur mit Bestellnummern arbeiten.
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Was kostet ein Konfigurator?

Die Preise für die Servermodule einzelner Anbieter liegen zwischen 20.000.- EUR und 300.000.- EUR. Für Anpassungen wird normalerweise nochmals die gleiche Summe fällig. Roland Massenet, früher getCustom.com, gab an,350.000 $ für seine Konfigurator Software aus Kanada bezahlt zu haben. In New York hätte sie das Doppelte gekostet, in Europa könnte man das billiger bekommen.
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Welche technischen Unterschiede gibt es bei Konfiguratoren?

Die Systeme am Markt verwenden verschiedene Programmierungsmodelle: Entscheidungstabellen - die verschiedenen Möglichkeiten einer Konfigura- tion werden in einer (Datenbank)Tabelle abgelegt. Dort steht dann "Was paßt wozu ".
Constraint-Satisfying Modell - durch Angabe von Einschränkungen werden die möglichen Varianten des Produktes immer weiter eingeschränkt bis das richtige Produkt übrigbleibt.
Expertensysteme - Der Nutzer kann alles eingeben - das Expertensystem überprüft dann die Eingaben und meldet Fehler. Das wird wiederholt bis kein Fehler mehr auftaucht.
Entscheidungsbäume - die möglichen Abfragen werden in einer Baumstruktur abgebildet und nacheinander durchlaufen.
Grafische Konfiguration - geschieht normalerweise mit einem clientseitigen Plugin und der Nutzer erstellt seine Konfiguration durch das Plazieren von Symbolen.

Heute haben sich Client-Server Anwendungen durchgesetzt. Als Anzeigemodul (Client)wird meist HTML und ein Internetbrowser verwendet. Als Server werden meist Internetserver mit Erweiterungen verwendet.

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Was unterscheidet ERP-System und Konfiguratoren?

ERP-Systeme sind auf Transaktionssicherheit und "corporate user " ausgelegt. Meist sind sie notorisch langsam und skalieren schlecht. Von keinem ERP-System wird man eine Performance-Bandbreite von 100 bis zu tausenden Benutzern erwarten. Trotzdem ist offensichtlich der Versuch naheliegend einen Konfigurator mit den ERP-Ressourcen und -Modulen zu entwickeln. In Übersee - die sind Europa ja immer einen Schritt voraus wurde dieser Versuch von den Beratern und Analysten schon frühzeitig verworfen. Zu wenig passen die Profile dieser Anwendungen zueinander.
  ERP Konfigurator
Benutzer Angestellte Kunden
Ziel Prozessverbesserung Kundengewinnung und Kundenbindung
SW-Pflege kontinuierliche kleine Änderungen regelmäßige, komplexe Änderungen
Integration Intern Intern und Extern
Evolution Von Innen nach Aussen Von Aussen nach Innen
kleinste Informationseinheit Transaktion Seite
notwendige Skalierbarkeit 100 Benutzer 1.000.000 Benutzer
User Interface Schulung notwendig Schulung nicht möglich
Geschäftsprozeß komplex einfach
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Welche typischen Probleme gibt es?

Performance-, Design- und Pflegeprobleme:
Datenbankabfragen - Bei Konfiguratoren, die während der Sitzung ständig Datenbankabfragen (SQL) erzeugen, treten häufig erhebliche Performance-Engpässe auf.
Fachchinesisch - Der typische Nutzer eines Konfigurators muß das System ohne Hilfe verstehen. Meistens werden die Inhalte von Kennern der Materie ausgelegt und getestet. Die verstehen natürlich das System, der Nutzer jedoch nicht.
PPS-Falle - Die Struktur der Produktpräsentation muß neu überdacht werden, sonst landen "Klobürsten neben Zahnbürsten", nur weil sie in einer alten Liste unter "Bürsten" stehen.
Altersschwäche - Viele Systeme werden erstellt, leben 1-2 Jahre und werden dann aufgegeben, weil die Pflege der Daten zu aufwändig war. Bei der Verwendung von Tabellen kann durch neue Varianten die Menge der zu pflegenden Daten sehr schnell ansteigen - bis die Pflege zu aufwendig wird - dann "stirbt" das System.
Top-Down gegen Bottom-Up
Bei der Erstellung der Logik greifen Entscheidungstabellen und Constraint-Satisfying-Systeme auf ein Designmodell zurück (Top-Down), bei dem alle Daten als Objektklassen mit Merkmalen beschrieben werden müssen. Erst nach diesem Schritt können können Regeln eingegeben werden - das führt teilweise zu sehr langen Implementierungzeiten. Bei Änderungen muß dann auch das Klassensystem geändert werden.
Systeme mit einem Bottom-Up Design erlauben wesentlich schnellere Implementierungen und Änderungen.
Mobiler Einsatz
Nicht an allen Einsatzorten des Konfigurators ist ein Zugriff auf zentrale Datenbanken oder Systeme möglich. Bei dieser Anforderung muß der Konfigurator eine transportable Zwischenschicht als Stellvertreter (Proxy) für die zentralen Systeme anbieten. 
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Sind Plugins und Java nicht geeignet?

Diese Techniken sind prinzipiell geeignet, jedoch schließt man evtl. einen Teil der Nutzer aus. Plugins und Java Konfiguratoren arbeiten clientseitig und müssen erst alle Konfigurationsdaten auf den Rechner des Benutzers laden - das kann lange Downloadzeiten bringen. Bei "corporate usern" in großen Konzernen (z.B. Banken, Versicherungen) ist auch oft der Einsatz von Plugins oder Java-Applets aus Sicherheitsgründen verboten.
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Welche Vorteile haben serverseitige Techniken?

Stammdaten lassen sich leicht pflegen. Die Analyse der Server Logfiles erlaubt die Verfolgung und Analyse des Nutzerverhaltens. Daraus lassen sich leicht Entscheidungsdaten für bessere Kundenansprache oder neue Produktentwicklungen gewinnen. Keine Installation von Software beim Nutzer - der Nutzer belastet nicht durch Supportanfragen die Hotlines.
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Wer verwendet bereits Konfiguratoren?

Die Vorreiter waren in Deutschland die Automobilhersteller, die in der Regel auf ihren Webseiten Konfiguratoren für ihre Automodelle anbieten und ständig erweitern. Die Hardwareversender (z.B. Dell) benötigen diese Softwaremodule sogar als grundlegenden Bestandteil ihres Verkaufssystems. In der Textilbranche wird Maßkonfektion über Konfiguratoren verkauft.
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Wie kann ich einen Konfigurator in meine Prozesskette einbauen?

Ein Konfigurator besteht aus einem Servermodul, der die verschiedenen möglichen Konfigurationen speichert und sie dem Nutzer in einem Browser präsentiert. Das Servermodul erzeugt dann entsprechende Stücklisten (Bestellnummern) für die bestehende Anwendungen. Dazu muß meist eine Schnittstelle programmiert werden. Zusätzlich wird ein Erfassungs- und Administrationsmodul benötigt, das die Eingabe von möglichen Konfigurationen und ihre Pflege erlaubt. Dies kann offline geschehen. Schnittstellen zu ERP-Systemen und anderen Backoffice-Systemen sind meist optional. Das Servermodul muß nicht auf dem Server der Webseite laufen.
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Gibt es Abteilungen, die typischerweise für den Einsatz einer Konfigurators organisatorisch verantwortlich sind?

Meistens nein. Konfiguratoren sind in den meisten Unternehmen heimatlos. Damit wird das Thema ein typisches Business Process Reengineering Projekt - abteilungsübergreifend müssen neue Prozesse und Zuständigkeiten definiert werden, um die hohen Rationalisierungspotentiale der Technologie zu erschließen. Ohne einen mächtigen Mentor lässt sich das kaum durchsetzen. Oft gilt es diesen Mentor zu finden und mit dem nötigen politischen Rückenwind auszustatten. Damit wird der Konfigurator zur echten Chefsache.
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Wann brauche ich eine Visualisierung?

Bei physischen Produkten mit vielen Varianten wird der Nutzer wissen wollen, wie seine individuelle Konfiguration wirklich aussieht. Die scheinbar naheliegendste Lösung wäre das passende Produktfoto. Dazu müßten alle Produktvarianten tatsächlich hergestellt und professionell abgelichtet werden - ein extrem kostenintensives oder meist unmögliches Unterfangen. Man kann stattdessen synthetische Bilder aus 2D/3D-Darstellungen verwenden. Sie können vorproduziert oder zur Laufzeit berechnet werden.
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Gibt es ein allgemeines Dateiformat für Konfiguratoren?

Dieser naheliegende Wunsch ist leider nicht Realität. Es wäre natürlich wünschenswert die Regeln und Logiken zwischen Systemen auszutauschen um u.U. einfach das System wechseln zu können oder die Regeln leicht an Zulieferer weiterzugeben. Bei CAD-Daten und Datenbanken ist das durch viele Initiativen der Industrie bereits möglich. In der Konfiguratorenwelt gibt es aber zur Zeit keinen "Standard" und auch keine Bestrebungen einen zu finden. Als Nutzer geht man also eine sehr enge Bindung mit seinem Leiferanten ein. Der Systemwechsel ist nur mit hohem Aufwand möglich. Offene Formate wie z.B. XML können den Übergang erleichtern.
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Kann man Altsysteme anbinden / weiterverwenden?

Meist bestehen vor der Einführng eines Konfiguraors schon Datenbestände in vorhandenen Systemen. ERP-Systeme oder Produktdatenbanken können oft übersetzt werden oder für die Erstbefüllung verwendet werden. Das kann aber immer nur mit individuellen Anpassungen erreicht werden. Eine weitere Möglichkeit kann in der Referenzierung der Altdaten durch den Konfigurator bestehen. Dabei werden die bestehenden Datenbanken nur lose an den Konfigurator gekoppelt - durch Referenzierung des entsprechenden Datensätze. Sollen Auslegungs- oder Kalkulationsmodule in Tabellenkalkulationen im Konfigurator verwendet werden kann unter Windows z.B. Microsoft Excel über eine COM-Schnittstellen angesprochen werden.
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Eignen sich Konfiguratoren für Darstellung von Vertriebslogik?

Bei geeigneter Konfigurationstechnologie kann Produktlogik mit Vertriebs- und Beratungslogik angereichert werden. Für komplexe Produkte meist der einzige Weg ohne "realen" Verkäufer oder Berater auszukommen. Bei PPS-fixierten Systemen ist diese Mischung in der Regel unmöglich.
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Warum soll ich einen Konfigurator kaufen und nicht selbst realisieren?

Fragen Sie jemanden der das versucht hat. Budgets und Terminpläne wurden beim ersten Versuch meist extrem überschritten. Es gibt zur Zeit ca. 5-10 Anbieter von Standardkonfiguratoren. Sie liefern ein passendes "Runtime" um Produktregeln ablaufen zu lassen. Die Anbieter unterscheiden sich deutlich im Preis und im Funktionsumfang.
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Wie können Konfiguratoren spezifiziert werden?

Der Einsatz und die Implementierung von Konfiguratoren sind junge Themen. Es gibt bisher wenig Vorbilder oder empfohlene Verfahren für die Ausschreibung und Spezifikation von Konfiguratoren.
Die beste Methode scheint uns noch die Beschreibung in "use cases" als standardisierter Text.
Leider haben wir schon viele Pflichtenhefte, Ausschreibunegn und Spezifikationen gesehen, die konventionell als EDV-Pflichtenhefte oder Lastenhefte formuliert wurden. Dabei gelingt es meistens nicht die wichtigen Schritte der Wissenserhebung und -verarbeitung zu beschreiben. Die formale Struktur liefert meist nur unnötige Vorgaben für Datenstrukturen und Benutzerinterface. Leicht führt dies sogar in eine Sackgasse, da die unwichtigen Teile des Systems (Datenbankstrukturen, Layout usw.) überbetont werden. Das Kernstück - die Verarbeitung von Wissen und Logik wird dagegen nebenbei behandelt. Dieses Ungleichgewicht zwängt dann das Projekt in ein starres Korsett. Das Ziel diese unflexible Ebene zu verlassen wird dann nie erreicht. Sparen Sie sich diese unnötige Arbeit.
Die Erstellung eines begrenzten, aber aussagekräftigen Prototyps ist meist besser.
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Wo finde ich weitere Informationen?

Die beste Quelle ist Dr. Piller und seine "mass-customization" Website (www.mass-customization.de).
Eine weitere Möglichkeit ist ein Small Talk über Konfiguratoren mit
Horst Brückner - ++49 911 9711910 - .
Werfen Sie eventuell einen Blick auf eine ganz spezielle Chronik der Konfigurationstechnik.
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Konfigurator Produkte

Ein Konfigurator Toolkit finden Sie unter den Produkten
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